Mediale Ausbildung

..reinfühlen

Schnappen Sie sich Popcorn und ein Getränk, denn das kann länger dauern. Das Seminar fand an einem Wochenende, Samstag und Sonntag, über mehrere Stunden statt. Als ich ankam, bemerkte ich, dass ich der einzige Mann in der Gruppe war – sechs Frauen, ein Typ, super. Ich dachte nur: „Na toll, das kann ja was werden.“

Auf dem Tagesplan standen Psychometrie und das Channeln von Gegenständen. Am Ende des Tages sollte man lernen, sich in Objekte "einzufühlen". Ich war der Letzte, der an die Reihe kam – dazu später mehr.

Die Aufgabe bestand darin, dass ein Holzschemel aufgestellt wurde, auf den sich eine Person setzen sollte. Die Person, die "lesen" sollte, musste den Raum verlassen, sodass sie nicht sehen konnte, wer vorher auf dem Hocker saß. Sie sollte die Energie fühlen, was oder wer dort war. Jedes Lebewesen hinterlässt Spuren, hieß es. Nun gut. Die erste Probandin setzte sich auf den Hocker, atmete tief ein und aus und setzte sich dann wieder auf ihren Platz. Das angehende Medium wurde hereingelassen und nahm auf dem verlassenen Holzhocker Platz, um "hineinzufühlen". Es dauerte nicht lange, bis das Medium auf dem Hocker plötzlich Schmerzen der Trauer und Wut der vorherigen Person spürte. Man lehrte uns von Anfang an, alles auszusprechen, was man sah, fühlte oder wahrnahm. Der Verstand ist immer schnell wieder da; man muss ihn ausblenden lernen und einfach zulassen, "was kommt". Jede Schülerin kam dran – bis auf mich. Ich war der Letzte im Kreis, der noch nicht "gelesen" hatte. Es war Mittagszeit, also war ich nach dem gemeinsamen Mittagessen an der Reihe.

Das Mittagessen war vorbei und wir gingen wieder in den Seminarraum. Ich musste in einen separaten Bereich gehen. Machen wir uns nichts vor, ich wusste schon, wer diejenige war, die auf dem Hocker Platz genommen hatte. Logischerweise gab es nur noch eine Person, die nicht auf dem Hocker gesessen hatte.

Ich durfte dann hereinkommen und auf dem dreibeinigen Holzhocker mit Kuhfell Platz nehmen. Ich sollte in mich hineinhören und fühlen. Es kam nichts, außer mein Verstand, der mir sagte, dass es nur noch eine Person gab, die vorher auf diesem Platz saß. Die Seminarleiterin fragte mich dann, ob ich schon eine Ahnung hätte, wer auf dem Hocker saß. Ich antwortete sofort: "Ja, es ist doch logisch, dass es nur noch eine Person sein kann." Sie entgegnete, dass vielleicht auch eine andere Person auf dem Hocker gesessen haben könnte, und ich solle noch einmal genauer hineinfühlen. Also schloss ich wieder meine Augen und saß da wie ein kleiner Junge, umgeben von einer Gruppe Frauen, die mich anstarrten und erwartungsvoll auf meine Antwort warteten. Es kam nichts, bis ich dann bemerkte, dass mich etwas von meiner linken Seite energisch anstarrte. Kennen Sie das Gefühl, wenn man allein zu Hause ist und das Gefühl hat, man wird angeschaut? Genauso muss man sich das vorstellen. Ich erzählte dann der Gruppe, dass ich das Gefühl hätte, jemand starre mich extrem von links an. Die Leiterin ging sofort darauf ein und meinte, ich solle dort noch einmal genauer hinschauen und hineinfühlen, wer oder was es sein könnte, das mich anstarrt.

Ich möchte jetzt, spätestens JETZT, darauf hinweisen, dass ich das, was ich erleben durfte, zu 100 % wiedergebe. Dies ist kein Filmausschnitt, keine Fiktion. Es hat sich tatsächlich so zugetragen.

Ich spürte eine Präsenz auf meiner linken Seite und ließ mich von dem Gefühl treiben und ziehen. Es war, als ob ich Karussell fahren würde. Ich blickte vor meinem inneren Auge nach links, und da sah ich es. Es war ein Wesen mit einer Glatze, tiefschwarzen Augen und einem weit aufgerissenen, nennen wir es, Maul. Dieses Ding schrie mich förmlich mit seiner ganzen Energie an. Die Energie war so stark, dass ich von mir aus auf die rechte Seite meines Körper/Geistes abdriftete. Meine Wahrnehmung ging in den Hintergrund, und als die Seminarleiterin meinte, ich solle sagen, wer das Wesen ist, entstellte sich mein Gesicht und meine Stimme veränderte sich. Ich nahm noch wahr, wie zwei bis drei Teilnehmer im Raum erschraken und die Worte fielen: "Oh Gott, was ist denn hier los? Das macht mir aber Angst." Ich sollte antworten, wer dort neben mir auf der linken Seite steht und mich anschreit. Als Antwort auf die Frage gab ich mit einer anderen Stimme die passende Antwort: "Das geht dich nichts an!!!" Die Antwort war so vibrierend, dass ich noch weiter geistig in den Hintergrund trat und alles wahrnahm wie in einem Film, der von außen als Kameramann gedreht wird. Eilig standen die Seminarleiterin und eine bereits fortgeschrittene Schülerin neben mir und begannen, ihre Hände über mich zu legen. Es ging alles sehr schnell. Mein Blick, die Stimme und alles andere glitten wieder ab, und mein Kopf bewegte sich Richtung Decke. Innerlich würde ich es so beschreiben: Es war, als ob die Sonne über mir aufging, es wurde hell und still um mich herum.

Letztendlich war alles wie im klassischen Hollywood-Horrorfilm. Ein Wesen steht neben mir mit weit aufgerissenem Maul, schwarzen Augen und schreit mich permanent an – unglaublich, aber wahr.

Heute sage ich mir, das war der Startschuss meiner medialen Fähigkeit. Altes musste losgelassen werden, um Platz für etwas Neues, Helles, Reinigendes zu schaffen.

An diesem Abend geschah noch etwas Wundervolles, das ich im nächsten Blog gerne erzählen möchte.

Copyright: Stephan Spittel. Alle Rechte vorbehalten.

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