
Der erste Besuch
...kein Hollywood
Der Abend fing schon recht merkwürdig an. Wir saßen auf dem Balkon, schauten in den Himmel und bemerkten eine Wolke, die wie ein Engel aussah. Meine Frau sah in einem Baum eine putzige Gestalt, die uns entgegenwinkte. Es war sehr lustig für uns.
Irgendwann ging ich in das Wohnzimmer und spürte sofort eine Energie vom Sofa aus. Ich wusste sofort, dass meine Mama auf dem Sofa saß und begrüßte sie ganz locker, ohne jegliche Angst. Ich erschrak mich zwar für einen kurzen Moment, schaute weg und wieder hin und realisierte dann erneut, dass sie dort saß – ohne Angst und Hemmung. Sie saß dort an der Ecke des Sofas, irgendwie durchsichtig, wie in Watte gehüllt, plastisch und ohne Bewegung. Ich ging zu ihr hin, umarmte sie von oben im Stehen, während sie saß. Ich fühlte ihren Körper, ihren Duft, einfach alles und sagte ihr, dass ich sie ganz, ganz doll vermisse und weinte. Ich bekam sofort eine Rückmeldung von ihr in Form von Liebe. Ich sagte ihr, dass alles gut sei und streichelte ihr über den Kopf. Ja, ich spürte alles wie in echt.
Ich ging dann raus und erzählte meiner Frau, was ich erlebt hatte, und sie bekam Angst. Ich drehte mich in Richtung Wohnzimmer und rief hinein, dass meine Frau Angst hätte, so, als ob meine Mutter wirklich noch da sitzen würde. Für mich war sie anwesend und in diesem Moment zu Besuch. Ich ging wieder hinein und sie sagte mir, dass meine Frau überhaupt keine Angst haben müsse. Das sagte ich ihr sofort. In diesem Moment wurde ich wieder klar und war absolut geflasht, was ich gerade erlebt hatte. Meine Mutter sagte mir dann, dass sie Angst hätte, weil es ihr unendlich leidtue, dass sie meiner Frau so eine Angst machte und dass sie nun weinte. Das spürte ich und sah es, sie vermittelte es mir so. Ich erzählte das meiner Frau dann draußen. Meine Frau meinte, dass alles okay sei und sie überhaupt keinen Grund sehe, traurig zu sein.
Als meine Frau mir dies draußen auf dem Balkon erzählte, sagte ich ihr immer wieder, dass sie überhaupt keine Angst haben brauche, und setzte mich auf den Stuhl.
In diesem Moment lehnte ich mich zurück, schloss die Augen und entspannte mich. Mein Kopf und mein inneres Auge fingen an sich zu drehen, innerlich nach rechts wie eine Karussellfahrt. Ich ließ es zu, weil ich jetzt schon wusste, was kommen sollte.
Meine Stimme trat innerlich weit nach hinten und ich merkte, wie meine Mutter durch mich zu meiner Frau sprach.
Ich sprach: "Hab keine Furcht, keine Angst meine Frau, mir tut es unendlich leid, was ich dir angetan habe. Ich wollte dich nicht erschrecken. Mir geht es sehr gut hier auf der anderen Seite, ich bin gut angekommen und bin frei. Es tut mir unendlich leid."
In diesem Moment fing ich an zu weinen, mein Gesicht verzog sich, und meine Frau nahm die weinende Stimme meiner Mutter wahr. Sie sagte: "Ich habe euch damals, als ich hier war, schon gesagt, dass der Alte mich ab und zu schlägt."
Meine Stimme war in diesem Moment eins zu eins exakt meine Mutter mit Kasseler Akzent.
Meine Mutter sagte dann wieder, dass meine Frau keine Angst haben brauche, Stephan sei gleich wieder da.
Sie rief dann: "Langer, komm er." Langer sagte sie immer früher zu mir, das war meiner Frau sofort aufgefallen. Meine Mutter ließ mich dann wieder in den Vordergrund treten, und ich übernahm dann wieder.
Meine Frau war und ist dankbar für dieses Erlebnis. Ich sagte ihr dann, dass so etwas vermutlich eine einmalige Sache war und das uns das sowieso niemand glauben würde. Schade, dass sie es nicht gefilmt hat, das war wohl sehr aufregend für den Moment. Es war mehr wie eine Botschaft für sie.
Es ging weiter an diesem Abend. Meine Mutter war wie auf Besuch zu Gast.
Meine Frau spürte eine Umarmung und ich sah, wie meine Mutter sie innig von oben drückte.
Sie stand neben uns, etwas jünger zeigte sie sich.
Ich kann nicht sagen, was mit mir passiert ist, aber es hat sich etwas für mich geöffnet, denn ich sah meinen Opa Franz kurz in der Balkontür stehen, der die Tür kurz öffnete und herausrief: "Keine Angst!" So kannte ich meinen Opa, der ab und zu die Leute mal erschreckt hat, auch er war kurz da.
Meine Mama stand also dort und sagte auf ihre Art, dass es mal Zeit zum Gehen sei.
Am sternenklaren Nachthimmel bemerkte ich einen Kreis, schwach, aber ich sah ihn. Mutter zeigte kurz darauf und ich wusste, dass sie dorthin ging.
Ich sagte ihr, dass sie immer willkommen sei, sich aber bitte vorher anmelden solle, so wie früher, als sie klopfend vor meiner Kinderzimmertür stand.
In diesem Moment kam mein Sohn heraus und bemerkte, dass Papa irgendwie anders war. Meine Frau erzählte ihm, dass ich jetzt diese Gabe hätte, und mein Sohn bekam Angst. In diesem Moment musste ich aufstehen, ihn drücken und sagen, dass die Oma ihn lieb hat und dass er ein toller Junge ist.
Ich hatte dann meine Mutter durch einen Tunnel gehen sehen, sie drehte sich ab und zu um und zeigte mir, dass sie immer und jederzeit zurückgehen könne, der Weg sei offen.
An diesem Abend wollten sich noch zwei Seelen vorstellen. Ich nahm sie links von mir kurz wahr und sprach zu ihnen, dass sie bitte warten sollen, bis sie dran sind!