Das unsichtbare Publikum

Wenn sich der Himmel öffnet: Eine mediale Erfahrung in der Hugenottenhalle

Gestern Abend war ich mit meiner Frau in Frankfurt auf dem Konzert von Snatam Kaur. Wir hatten die Karten bereits vor einem Jahr bestellt und uns wirklich sehr auf diesen Abend gefreut. Nun gut, der Tag kam schneller als gedacht, und so fuhren wir Richtung Hugenottenhalle los. Dort angekommen, gingen wir durch das Foyer, zeigten unsere Tickets vor und suchten unsere Plätze: Reihe 10, Platz 11 und 12.

Wir waren 15 Minuten zu früh da, und die Halle war noch nicht gefüllt. Meine Frau fragte mich spontan, ob ich hier etwas fühlen würde, da die Musik ja etwas Besonderes ist. Nach dieser Frage verspürte ich abrupt, wie sich die Halle veränderte. Die Menschen, die vor mir saßen, verdoppelten sich gefühlt, kamen näher, und die Halle war plötzlich voll. Aber sie war nicht voll von Zuschauern, die dem Konzert beiwohnten, sondern es waren Spirits – Seelen, die aufgrund dieser Art von Musik und der Menschen einfach anwesend waren. Diese Spirits nahm ich ganz plötzlich und sehr nah wahr.

Mir ging es wirklich nicht gut. Dies äußerste sich durch Schweißausbrüche und Angst. Ich wollte nur noch raus an die frische Luft, weil mich diese Energie komplett einhüllte. Ich muss an dieser Stelle erwähnen, dass das Konzert an sich noch gar nicht begonnen hatte. Ich stand auf und wollte Richtung Ausgang gehen, aber meine Beine waren schwer wie Blei. Zu meiner Frau sagte ich nur, dass ich hier raus müsse, da es mir nicht gut gehe. Sie erkannte den Ernst der Lage, da sie mich so noch nie gesehen hatte. Ich schaffte es, mich bis zum Anfang der Stuhlreihe zu schleppen, und ließ mich dort in einen Stuhl fallen. Alles um mich herum verblasste wie eine Vignette; die Geräusche und Stimmen um mich herum verhallten in der Ferne, und ich sagte mir nur: „Bleib ruhig, dir passiert nichts, atme!“ Ein Inder, der zwei Stühle neben mir saß, reichte mir einen Becher Wasser (sehr nett). Ich trank ein paar Schlucke, dann ging es mir langsam wieder besser, und ich kehrte zu meinem Platz zurück. Meine Frau verließ mich kurz, um neues Wasser zu besorgen; ich merkte, dass sie sich große Sorgen um mich machte.

Vor mir saß ein junges Pärchen. Die Frau sprach mich an, ob alles in Ordnung sei, da ich permanent tief ein- und ausatmete. Ich weiß nicht warum, aber ich erzählte ihr, dass ich ein Trance-Medium bin und diese Halle für mich aktuell voller ist, als sie in der Realität wirkt, da viele Seelen anwesend sind, die etwas von mir möchten. Die Frau schaute mich (nicht skeptisch) an und meinte, dass sie mir das glaube. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich in dem Moment, als sie mich ansprach, eine Stimme wahrnahm. Die Stimme sagte: „Sag ihr, dass Katrin hier ist.“ Ich ignorierte die Stimme jedoch und fokussierte mich auf die Frau. Heute, einen Tag danach, frage ich mich, warum ich ihr nicht von Katrin erzählte. Das wäre wieder ein Beweis gewesen, aber die Angst, abgelehnt zu werden, ist dann leider doch noch zu groß (das Ego spricht).

Das Konzert begann. Snatam Kaur und ihre Band sind einfach himmlisch. „Himmlisch“ ist übrigens ein guter Übergang: Ich sah auf der Bühne die Künstler, jedoch auch ihre geistigen Helfer. Besonders beeindruckt hat mich der Geisthelfer der Percussionistin. Hinter dieser Frau sah ich eine größere, männliche Person mit kurzen schwarzen Haaren stehen. Es war ein Mann mit weißer Weste, der ihr immer wieder mit den Fingern Anweisungen gab, wie sie spielen sollte. Für mich war klar: Das war ihr Mentor aus der geistigen Welt. Ich denke, sie weiß es oder fühlt es, da sie während des Spielens oft in einer Art Trance war – das konnte man deutlich sehen.

Was mich aber derart berührt hat, war ein Ausblick in das Himmelsreich. Wie ich darauf komme? Ganz einfach: Während eines Liedes öffnete sich mir die Hallendecke! Es war nicht mehr die Holzdecke der Hugenottenhalle; es sah aus, als ob man durch ein riesiges quadratisches oder rundes Fenster in den blauen Himmel sehen könnte. Ich sah Stuck an den Wänden und Efeu, der herunterhing. Auch weiße Tauben flogen von links nach rechts. Goldene Strahlen schienen von oben durch den Himmel auf die Bühne und von der Bühne direkt auf das Publikum. Das war die Energie, die an diesem Abend definitiv weitergegeben worden ist.

Ich danke meinen geistigen Helfern für diese weitere Erfahrung. Ich habe daraus gelernt, auch einmal „Nein“ sagen zu müssen. Während des Abends vernahm ich permanent das Gefühl, dass Menschen hinter mir auf und ab liefen. Ich konnte sie nicht einordnen – keine Gesichter, sie wirkten eher wie schwarze Schaufensterpuppen. Man fragte mich, ob ich sie sehen könne, und ich sagte in diesem Moment einfach nur: „Bitte lasst mich hier jetzt mal in Ruhe, ich will das Konzert sehen. Bitte versteht das und geht weiter.“ Allein diese Affirmation half, und die Enge sowie die starke Bindung verflogen wieder.

Wie kommt dies nun alles? Als meine Frau mich am Anfang fragte, ob ich etwas sähe oder spüre, war das der ausschlaggebende Punkt, der den Stein ins Rollen brachte. Die geistige Welt ist nur einen Schritt entfernt, wie schon Paul Meek in seinen Sitzungen und Büchern schreibt. Ein Satz reicht aus, um den Kontakt herzustellen – das ging bei mir an diesem Abend leider etwas zu schnell.

Copyright: Stephan Spittel. Alle Rechte vorbehalten.

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